laser installation "lichtschneise V", Wasserreservoir
Museums Mathildenhöhe, Darmstadt 2010. Foto by Margareta
Hesse

laser installation "lichtschneise V", Wasserreservoir
Museums Mathildenhöhe, Darmstadt 2010. Foto by Margareta
Hesse

laser installation "swathe of light I" in the 50 m horizontal
tunnel of the Kuenstlerzeche "Unser Fritz", Herne 2008,
laser, sound (photo Marco Wittkowski)
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laser installation "swathe
of light I" Kuenstlerzeche "Unser Fritz",
Herne 2008, (photos Winfried Labus) |

laser installation "swathe of light IV", Zitadelle,
Berlin , 2009 laser, sound (photo: Claudia Brunhuber)
laser installation "swathe of light IV", Zitadelle,
Berlin , 2009 laser, sound (photo: Claudia Brunhuber)
Von Pamela C. Scorzin, Dortmund/ Mailand
Und so kann man denn auch Licht, Finsternis, Helle, Schatten,
Durch- und Undurchsichtiges,
Trübe und die Belebung
von allen diesen, die Farbe, nicht los werden.
Johann Wolfgang von Goethe
Farbe und Licht sind die bevorzugten Gestaltungsmittel
im künstlerischen Werk von Margareta Hesse. In dieser selbst
gewählten Reduktion und thematischen Konstanz entfaltet sich
zugleich eine enorme, faszinierende Varianz. Diese drückt
sich nicht nur im Prinzip der Werkreihen und der modularen Anordnungen
ihrer transluziden Bilder aus, sondern vielmehr auch in einer
neueren Serie von Licht-Installationen. Seit dem Herbst 2008 setzt
die Berliner Künstlerin für die Gestaltung ihrer ortsspezifischen
Installationen auch die moderne Technologie von Laser-Geräten
ein. Damit bereichert sie die zeitgenössische „Lichtkunst
aus Kunstlicht“ (Peter Weibel) wesentlich um ein außerkünstlerisches,
industrielles Material, das im Gegensatz zu Glühbirne, Neonröhre
oder LEDs von den Künstlern und Künstlerinnen des 20.
und 21. Jahrhunderts bislang viel seltener verwendet wurde. Zu
erwähnen wären hier beispielsweise Robert Whitmans „Solid
Red Line“ von 1967, ein im Kreis rotierender Laserstrahl,
der eine rote Horizontlinie an die Wände eines abgedunkelten
Raumes zeichnete, oder Iannis Xenakis’ „Polytope II“,
eine Licht- und Klangkomposition mit elektroakustischer Musik
auf 8-Kanal-Tonband und Laser-Installation aus dem Jahr 1972,
oder Adolf Luthers „Laserraum“, eine variable Rauminstallation
aus Rubinlasern, Spiegeln und einer Plexiglasstele mit Drehmotor
von 1970.
Diese und andere Beispiele für den experimentellen Einsatz
von Laser-Geräten in der Schaffung von avantgardistischen
Gesamtkunstwerken aus den frühen Siebziger Jahren dienen
uns im Folgenden als kunsthistorische Bezugs- und Ausgangspunkte.
Gleichzeitig hat die moderne Laser-Technik aber seit dieser Zeit
verstärkt auch Eingang in populäre Multimedia- und Eventveranstaltungen,
Konzerte und Light Shows gefunden.
Mit dieser summarischen Kontrastierung und Kontextualisierung
in der jüngeren Mediengeschichte werden jedoch schnell auch
die Originalität und Singularität von Margareta Hesses
Laser-Arbeiten gewahr. Denn weder geht es ihr um die Produktion
von bloßen Licht-Effekten, noch um ein populäres Laser-Entertainment,
wie es zu dunklen Jahreszeiten inzwischen in vielen Metropolen
der Welt oder Clubs zu beobachten ist. Bestehen auf den ersten,
flüchtigen Blick formale Ähnlichkeiten zu aktuellen
interaktiven Laser-Installationen aus dem Unterhaltungsbereich,
wie beispielsweise zu „rAys V2.0“ der niederländischen
Gruppe Beyond Expression & IS (2008) , in der 64 Rubinlaser
ein farbintensives Lichtrasterfeld bilden, das in Interaktion
mit dem Publikum weitere Sounds und Visuals in Diskotheken generiert
und steuert, so sind Hesses Laser-Installationen doch konzeptionell
strenger, minimalistisch konzentrierter und meditativ reflektierter.
Ihre Intention ist ganz autonomer künstlerisch-gestalterischer
Tradition verpflichtet, und man darf daher in Hesses aktuellen
ortsspezifischen Laser-Arbeiten durchaus auch einen Ausdruck für
das Ringen und Finden einer guten Gestaltung mit ethischem Anspruch
und symbolischer Transzendenz sehen: „Kein hektischer Linienzauber
wie wir ihn aus Laser-Shows kennen. Keine kunterbunten Zaubereien,
deren Kunstfertigkeit wir bewundern können. (...) Jenseits
der allgemein bekannten unterhaltsamen, kunterbunt bewegten Laserinstallationen,
geht es darum, ästhetische, reduzierte Installationen zu
entwickeln, die eindrückliche Begegnungen und eine Auseinandersetzung
des Betrachters mit dem Laserlicht provozieren.“
Der Effekt ihrer Laser-Installationen liegt folglich in der Generierung
von sensualistischen Ambienten und atmosphärischen Räumen
für intensive Begegnungen, in denen sich Wahrnehmungen, Erfahrungen
und Erlebnisse verstärken. Mit künstlichem Licht interveniert
Margareta Hesse dabei, wie beispielsweise der Lichtkünstler
Dan Flavin, jeweils in vorgefundene architektonische Räumlichkeiten,
die sie zu sinnlich dichten Wahrnehmungs- und Erfahrungsräumen
transformiert und atmosphärisch verdichtet. Als Installationskünstlerin
ist Margareta Hesse hier im besten Sinne eine Erfahrungsgestalterin.
Die strukturelle Varianz und visuelle Vielfalt ihrer Laser-Installationen
wird dabei ursächlich vom jeweiligen architektonischen Kontext
her bestimmt: „Meine Laserinstallationen gehen von der Raumstruktur
aus / antworten auf die Raumstruktur“, so Margareta Hesse
im Gespräch.
Kongenial folgt die variable Konzeption ihrer Lichtraum-Installationen
auch der technischen Beschreibung des selbst gewählten primären
Gestaltungsmaterials: Denn 'Laser' ist ein Akronym für die
englische Definition 'Light Amplification by Stimulated Emission
of Radiation', dt. „Lichtverstärkung durch stimulierte
Emission von Strahlung“, und beinhaltet einen physikalischen
Effekt, mit dem künstlich gerichtete, intensive Lichtstrahlen
erzeugt werden können. Der Begriff 'Laser' wird dabei nicht
nur für den Stimulierungs- und Verstärkungseffekt, sondern
auch für die Strahlquelle selbst verwendet. Geprägt
wurde der Begriff Ende der 1950er Jahre durch Gordon Gould. Der
Laser ist eine relativ junge technische Erfindung. Er wurde erstmals
im Jahr 1960 mit einem Rubinkristall realisiert. Die austretende
Laserstrahlung hat ganz besondere Eigenschaften, die sie beachtlich
vom künstlichen Licht anderer elektrischer Lichtquellen (wie
beispielsweise einer Glühlampe oder Leuchtstoffröhre)
unterscheidet – laut Definition des Bundesamtes für
Strahlenschutz in Deutschland:
1. Sehr hohe Einfarbigkeit (Monochromasie) -
sie weist genau eine Wellenlänge auf;
2. Kohärenz - die Wellen sind sowohl zeitlich als auch räumlich
"in Phase", d. h. sie schwingen - bildlich gesprochen
- genau parallel im gleichen Takt;
3. Starke Strahlenbündelung - der Durchmesser des Strahls
ist auch bei großer Entfernung von der Quelle sehr gering;
4. Hohe Strahlungsdichte - aufgrund der starken Bündelung
und der großen Verstärkung der Strahlung trifft auf
eine kleine Fläche Strahlung mit hoher Intensität auf.
Die Strahlungsdichte der Sonne kann damit um ein Vielfaches u¨bertroffen
werden. Laserstrahlung kann in einem relativ großen Bereich
des optischen Spektrums erzeugt werden. Er reicht vom Infrarotbereich
u¨ber das sichtbare Licht bis zum UV. Der Wellenlängenbereich
erstreckt sich von etwa 200 nm bis etwa 10 000 nm. Man kann Laser
auch danach unterteilen, ob sie kontinuierlich Strahlung aussenden
oder gepulst arbeiten. Pulslaser können z. B. viele Pulse
in definierten zeitlichen Abständen aussenden oder aber
Einzelpulse. Für spezielle Anwendungen (z. B. Kernfusion)
werden extrem kurze (Dauer im Nanosekunden-Bereich) Einzelpulse
mit außerordentlich hohen Spitzenleistungen im Megawatt
oder Gigawatt-Bereich erzeugt. (Stand 17.06.2009)
Aufgrund dieser Eigenschaften ergeben sich inzwischen
vielfältige praktische Anwendungsmöglichkeiten in der
Medizin, Technik, in Forschung und Lehre wie auch in unserem Alltag.
Allein Margareta Hesse aber hat den Dauerstrich-Rubinlaser nun
auch für die Künste entdeckt.
Ganz im doppelten Wortsinne werden die Laserstrahlen zum roten
Faden, zu Richtlinien und zum Grundmotiv einer neuen Werkserie.
Ihren leuchtend roten Laserstrahlen, die gleichsam glühende
Schneisen durch immer wieder diffus dunkle, unbekannte Räume
ziehen, folgt das Publikum dabei stets aufs Neue – als gäbe
ihm Margareta Hesse den Faden der Ariadne durch Labyrinthe voll
an Entdeckungen und tiefen Erfahrungen zur Hand. Das Berühren
und Greifen mit der Hand nach dem, was dem Auge als Materie und
Gegenständlichkeit in optischer Klarheit und Präzision
erscheint, verliert sich dabei jedoch unmittelbar im Nichts und
reinen Schattenspiel oder gar in der Angst, selbst vom die Dunkelheit
schneidenden Laserlicht körperlich versehrt zu werden.
Glühendes Rot symbolisiert in unserer Kultur das Herz und
die Liebe, Erotik und Sinnlichkeit oder wohlige Wärme, aber
gleichzeitig bedeutet es auch zerstörerisches Feuer und hitzige
Glut, Blut und Verletzung, Gefahr und Alarm. Zwischen Faszination
und Attraktion einerseits und der Gefährdung und Bedrohung
andererseits wecken die jeweiligen Erscheinungsweisen der Rubinlaser-Installationen
von Margareta Hesse in den vorgefundenen Räumen Emotionen,
die in ihren Ambivalenzen wie das Licht als physikalisches Phänomen
dabei in Oszillation und heftige, wellenhafte Schwingung geraten.
Der von der Künstlerin mit Licht gestaltete und inszenierte
Raumkörper durchwirkt den Körperraum der anwesenden
Betrachter. Er kann sich dessen emotionaler Wirkung leiblich nicht
mehr entziehen, da er mit all seinen Sinnen selbst jeweils Bestandteil
der Installation wird. Wie die Technik des Industrielasers auf
der Mikroebene bündelt, ordnet, richtet, lenkt, stimuliert
und aktiviert Margareta Hesse auf der Makroebene ihrer Rauminstallationen
luzide die Sinneswahrnehmungen ihrer Ausstellungsbesucher. Dabei
werden auch alle Sinne des Körpers gleichermaßen angesprochen.
Die Besucher tauchen ein in dunkle und schattige Räumlichkeiten,
die durch Licht neu strukturiert und rhythmisiert werden. Sie
provozieren darauf im Besucher eine Bewegung, Orientierung und
Erkundung. Bereits in den kunstgeschichtlichen Vorläufern
der zeitgenössischen Installationskunst in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts, wie etwa 1942 in Marcel Duchamps Proto-Installation
„Sixteen Miles of String“ für die New Yorker
Ausstellung „First Papers of Surrealism“, bestimmt
die gestalterische Intervention des Künstlers im Ausstellungsraum
im Folgenden die dramaturgische Choreographie des Besucherverhaltens
und somit die Werkerfahrung maßgeblich mit. In diesem gelenkten
Wahrnehmungsprozess werden dann weitere körperliche und sinnliche
Erfahrungen ermöglicht, beispielsweise durch olfaktorische,
akustische oder haptisch-taktile Momente. Ferner wird das partizipierende
Publikum durch das Erlebnis von Warm und Kalt, Staub und Stickigkeit
oder kühle Nässe und modrige Feuchtigkeit, das die vorgefundenen
Räume jeweils charakterisiert, sensibilisiert für die
illuminierende Ästhetik der Lichtmarkierungen der Installationskünstlerin.
Überdies kommen in den Licht-Installationen von Margareta
Hesse immer noch auch wesentlich akustische Elemente hinzu. Nicht
nur die räumlichen Erkundungen des Publikums erzeugen dabei
eine natürliche Geräuschkulisse in den halbdunkeln wie
Unterwelt-schattigen Räumen. In ihnen scheint der Hörsinn
nun dem Sehsinn näher zu kommen. Auch das von der Künstlerin
jeweils künstlich generierte Soundscape ihrer Laser-Installation,
ein für das Publikum fingiertes und künstlich fabriziertes
bedrohlich-beunruhigendes Brummen und Dröhnen der magisch
wirkenden Laserstrahlen, die in Wirklichkeit aber für das
menschliche Ohr völlig geräuschlos bleiben, obgleich
uns George Lucas mit seinen Laser-Schwertern (Lightsaber) der
Jedi und der Sith im großen Hollywood-Kino seit Generationen
etwas Anderes erzählen will, verdichtet die Raumatmosphäre
der Installationsräume für alle Sinne zu einem überwältigenden
Gesamtkunstwerk, ohne aber ins vordergründige Spektakel oder
reine Event abzugleiten. Die post-minimalistische gestalterische
Konzeption ihrer Laser-Installationen erlaubt der Künstlerin
vielmehr mit den gleichen technischen Mitteln (verschiedenen Laser-Geräten,
Reflexionsspiegeln, Halterungen und eventuell auch Hazern/ Nebelmaschinen)
strukturell variabel auf jeweils vorgefundene Raumsituationen
zu reagieren, um dennoch daraus eine auf der Wahrnehmungs- und
Erfahrungsebene stringente Serie von autonomen Laserlichträumen
zu schaffen: „Ich zeichne sozusagen gleißend rote
Lichtlinien in den Raum.“
Mit der Zeit hat Margareta Hesse diese temporären Rauminterventionen
mit industriellem Laserlicht, die den programmatischen Werktitel
„Lichtschneise“ tragen, seriell durchnummeriert. Ihre
bislang aufwändigste und spektakulärste Laser-Installation
stellt dabei sicherlich in vielerlei Hinsicht die „lichtschneise
V“ (Abb. X) dar. Im abgedunkelten linken Teil des historischen
Wasserreservoirs unter dem berühmten Ausstellungsgebäude
von Joseph Maria Olbrich installierte Margareta Hesse im Frühjahr
2010 im Rahmen der Luminale auf der Mathildenhöhe in Darmstadt
ihre 1-2 cm breiten Laserstrahlen in einer wiederum streng geordneten,
minimalistischen Formation. Neun gleißend rote Laserstrahlen
schossen dort knapp 20 cm über der spiegelnden Wasseroberfläche
in die dunkle Tiefe des Zweckraumes, der für die Besucher
für die Dauer der Ausstellung geöffnet und begehbar
wurde. Rational betrachtet, schienen die Laserstrahlen die Breite
der Raumfluchten zwischen den mächtigen Bogenpfeiler des
alten Funktionsbau bis in die Tiefe seiner Rückwand zu vermessen
und zu erkunden. In Kombination mit der dunstig-feuchten Raumatmosphäre
sowie der besonderen Akustik der von den Besuchern erzeugten Wellenbewegungen
des klaren Wassers und der wabernden Wasserspiegelungen facettierte
sich das streng geordnete und geometrisch gegliederte Raumbild
jedoch. Es entstand dabei in vielfacher Hinsicht ein ganz außergewöhnlicher
Erfahrungsraum und einmaliger Erlebnisort für 'Reflexionen'.
Hesses Interventionen mit dem Laserstrahl sind demnach auch immer
von ephemerer Natur und transformieren die Wirkung der Räume
und Architekturen nur für die Dauer der Installation, ohne
sie selbst in ihrem Bestand und ihrer Substanz dauerhaft zu verändern.
Denn nur für eine bestimmte Zeit wird einem real anwesenden
Publikum darin etwas Neuartiges, Faszinierende und Staunenswertes
zur Erfahrung und zum Erlebnis gebracht. Ihre temporären
Laser-Installationen überdauern als Werke lediglich in der
Erinnerung der Besucher sowie in den Dokumentationen aus Wort
und Bild, die aber eine eigene, sekundäre Wirklichkeit besitzen
und dem direkten körperlichen und kognitiven Erlebnis nie
ganz gerecht werden können. Räumlich-zeitliche Wahrnehmungen
und emotionale Erfahrungen des in dreidimensionale Installationsräume
mit allen Sinnen eintauchenden Publikums werden zu zweidimensionalen
Bildern verflacht. Gleichwohl demonstrieren sowohl fotografische
Installationsansichten als auch Videofilme, wie sie die Künstlerin
für ihre Serie der „lichtschneisen“ produziert
und in Katalogen reproduziert, anschaulich wie hier die darstellenden
Künsten mit den performativen kongenial konvergieren. Der
Ausstellungsbesucher selbst wird in Margareta Hesses Laserlichträumen
nicht nur zum Partizipienten, sondern auch zum aktiven Akteuer
und Performer: „Die Betrachter, die den Raum durchqueren,
sehen sich unmittelbar mit den gleißend-roten Laserstrahlen
konfrontiert und müssen entscheiden, ob sie sich lediglich
auf der Bahn zwischen den Laserstrahlen bewegen, darüber
hinwegsteigen oder den Strahl kreuzen – wodurch sie den
Rest des Strahlenverlaufs kurzfristig unterbrechen“ , und
damit selbst die Lichtspuren spielerisch in Etappen verändern
und helle Lichtzonen kreieren.
Ihre allererste Laser-Installation zeigte Margareta Hesse im Herbst
2008 in der Künstlerzeche „Unser Fritz“ in Herne
im Zusammenhang mit der Einzelausstellung „lichtspuren,
etappenweise“. Die künstlerisch-gestalterische Auseinandersetzung
mit einem ca. 50 m langen, relativ niedrigen, tonnengewölbten
ehemaligen Stollengang im Ruhrgebiet, der sich ebenfalls tief
unter den Ausstellungsräumen in der Kunstzeche Herne befand,
führte sie erstmals zum Einsatz und Gebrauch des industriellen
Laserlichts. Hier entstand die post-minimalistisch anmutende Licht-Installation
„lichtschneise I“ (Abb. X) aus einem gebündelten,
gleißend-roten Laserlichtstrahl, der mittig in Wadenhöhe
durch das stockfinstere, labyrinthische Stollengewölbe schoss.
Eine weitere Installation der glühend roten, konkret-gegenständlich
wirkenden Laserstrahlen erfolgte im modrig-feuchten Bunker des
Gebäudes des Fachbereichs Design der Fachhochschule Dortmund,
wo Margareta Hesse seit 1995 auch eine Professur für Grundlagen
der Gestaltung und Illustration innehat.
„lichtschneise III“ (Abb. X) konnte 2009 als Exponat-Bestandteil
in der Gruppenausstellung „1 : 11 Heimvorteil“ in
einem eigens abgedunkelten White Cube, einem nahezu quadratischen
Durchgangsraum im renommierten Museum am Ostwall in Dortmund gezeigt
werden. Der Betrachter musste hier ein in künstlichem Nebel
liegendes, kniehohes, akkurat parallel-lineares Lichtlinienfeld
eines mittels an den Wänden installierten Umlenkspiegeln
mäandernden Laserstrahls durchqueren, um in den nächsten
Raum der Ausstellung zu gelangen. Sobald der Betrachter diesen
1-2 cm dicken, objekthaft erscheinenden Laserlichtstrahl jedoch
physisch durchkreuzte, wurde die lineare Lichtspur bis zum Ende
des Strahlengangs sofort unterbrochen, während der Laserstrahl
nun an der Stelle des körperlichen Interaktions- und Berührungspunktes
mit einer intensiven bis gefahrvoll wirkenden, gleißend
hellen Leuchtspur auftraf. In dem Augenblick aber, in dem der
Strahlengang vom Rezipienten wieder verlassen wurde, wurde die
Licht-Installation wieder in ihrer gesamten illuminierenden Totalität
sichtbar.
In der Variante „lichtschneise IV“ (Abb. X), die im
gleichen Jahr noch in der Einzelausstellung „Lichtzone“
in den Kasematten der Zitadelle Berlin, Bastion Königin,
realisiert wurde, durchschneiden dagegen zwei Laserstrahlen einen
sehr langen Gang, um schließlich in einen kleinen Vorraum
zu münden und dort ein in Wadenhöhe schwebendes, materiell
wirkendes, intensiv leuchtendes Raumgitter zu formieren.
Nach der „lichtschneise VI“ (Abb. X), die Margareta
Hesse im Atelier ihres Berliner Künstlerkollegen Klaus Noculak
installierte, folgt nun die vorläufig letzte Ausführung
der Installationsserie mit der „lichtschneise VII“
(Abb. X) in einer alten Lagerhalle des Elbeforums in Brunsbüttel.
Zum ersten Mal wollte Margareta Hesse in dieser neuen Installationsvariante
nun auch mit einer Reihe von Laser-Geräten arbeiten, die
sich zufallsgesteuert und animiert selbständig durch die
Kulisse des abgedunkelten Lageraumes bewegen. Mit fein eingestellten
Sensoren ausgestattet, stoppen diese fünf mobilen Laser-Geräte
vor jedem anfallenden Hindernis - sei es eine Wand, ein Gegenstand
oder ein Mensch -, nehmen sodann einen abrupten Richtungswechsel
vor und bewegen sich mit ihren den Raum ertastenden und scannenden
Leuchtstrahlen weiter. Die Ausstellungsbesucher können wiederum
die räumliche Arena der mobilen Laser-Installation durchschreiten,
während die von den herumschwärmenden Laser-Geräten
ausgesendeten roten Laserstrahlen in Kniehöhe langsam durch
den Raum gleiten und sich dabei ein faszinierendes Licht-Ballett
zwischen Mensch und Technik entwickelt, das wechselvolle Emotionen
frei setzt – zwischen Schönheit, Faszination und Schrecken.
Licht senden in die Tiefen des menschlichen Herzens ist des Künstlers
Beruf.
Robert Schuman